Da Crowdsourcing immer beliebter wird, überrascht es vielleicht nicht, dass türkische Demonstranten Google Maps nutzten, um die Polizeibewegungen während der jüngsten Proteste zu verfolgen.
Sie gründen die Istanbul Polis Hareketleri, was „Istanbuler Polizeibewegung“ bedeutet.
Im Mittelpunkt der Karte steht der Taksim-Platz, der Schauplatz der Protestaktivitäten gegen die Regierung von Premierminister Recep Tayyip Erdogan. Es wurde am 1. Juni nach Plänen der Regierung Edogans zur Renovierung einer osmanischen Kaserne gegründet.
Dieses Projekt erforderte die Abholzung von Bäumen im nahegelegenen Gezi-Park. Türkische Demonstranten konnten dies mithilfe von Google Maps verhindern, indem sie über eine Woche lang zur Verteidigung der Grünfläche demonstrierten.
Die Kartierung von Protesten und Polizeibewegungen ist zwar noch relativ neu, wurde aber schon früher durchgeführt. Auch bei Studentenprotesten, die 2010 in London stattfanden, wurde Google Map genutzt, um den Überblick über Einsatzwagen und Hubschrauber zu behalten, die gegen die Demonstranten vorgingen.
Einige der von türkischen Demonstranten angewandten Taktiken werden mit mittelalterlichen Taktiken verglichen, insbesondere Barrikaden, die Fahrzeuge, Polizisten und sogar Pferde wirksam von den Demonstranten fernhalten. Außerdem braucht es Zeit, sie abzureißen, und im Falle einer gewalttätigen Entscheidung der Polizei können sie einen hervorragenden Schutz vor Schüssen und geworfenen Gegenständen wie Tränengasgranaten bieten.
Solche Taktiken erwiesen sich in der Vergangenheit als so erfolgreich, dass einige Städte wie Paris, das für seine regelmäßigen Proteste bekannt ist, sogar ihre Straßen umgestalteten, um sie für den Bau von Barrikaden weniger geeignet zu machen.
Abgesehen davon, dass türkische Demonstranten Google Maps zur Markierung von Barrikaden nutzten, gehören zu den anderen Markierungen auch:
– Ein grünes Zelt, das das Herz des Taksim-Platzes markiert
– Straßenwarnungen in Grün, die den Leuten mitteilen, welche geöffnet und welche blockiert sind
– Rosafarbene Anhänger für Gruppen, die bekannt geben, wer sie sind und wo sie protestieren
– Hellblaue Flaggen für Polizeistandorte und gemeldete Bewegungen
– Warnungen vor Polizei-Tracking-Servern im Internet, verwirrenderweise ebenfalls unter Hellblau.
Euronews



