56 Prozent der türkischen Bevölkerung bevorzugen ein Präsidialsystem gegenüber dem derzeitigen parlamentarischen System. Dies ergab eine aktuelle Umfrage der regierungskritischen Gezici Research Company.
Inmitten der Debatten um eine neue Verfassung und ein mögliches Präsidialsystem kam die jüngste Umfrage des Unternehmens für den gegnerischen Teil der Öffentlichkeit überraschend. In der am 26. und 27. März durchgeführten Umfrage sagten 56 Prozent, sie würden für ein Präsidialsystem stimmen. Noch in diesem Jahr wird ein Referendum über eine neue Verfassung und ein Präsidialsystem erwartet. Das in Ankara ansässige Objective Research Center (ORC) hatte Anfang Februar zudem ergeben, dass 56.1 Prozent der Befragten das Präsidialsystem unterstützten.
„Das vom Volk gewählte Staatsoberhaupt muss mehr als nur eine symbolische Rolle spielen“, sagte Präsident Erdoğan Ende Januar in seiner Ansprache vor mehr als 250 Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die sich versammelt hatten, um die Bemühungen um eine neue Verfassung zu starten und Unterstützung für ein Präsidialsystem zu zeigen. Auch die ehemaligen Präsidenten Turgut Özal und Süleyman Demirel, der ehemalige Premierminister Necmettin Erbakan und der ehemalige stellvertretende Premierminister Alparslan Türkeş hatten die Notwendigkeit eines Präsidialsystems in der Türkei betont.
Das viel diskutierte Meinungsforschungsinstitut ist für seine zweifelhaften Ergebnisse gegen die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AK-Partei) bekannt. Es kam außerdem zu dem Ergebnis, dass die AK-Partei bei möglichen Neuwahlen 56.2 Prozent der Stimmen erhalten würde.
Der Präsident des Meinungsforschungsinstituts Murat Gezici gab die Umfrageergebnisse in einer Fernsehsendung des linken Fernsehsenders Halk bekannt und sagte, dass die AK-Partei von den Umfrageteilnehmern 56.2 Prozent Unterstützung erhalten habe. Die Umfrage untersuchte außerdem die öffentliche Meinung zum Präsidialsystem sowie zur Einführung einer neuen Verfassung in der Türkei.
Die Umfrage ergab auch, dass die größte Oppositionspartei, die Republikanische Volkspartei (CHP), 25.8 Prozent der Stimmen der Teilnehmer erhielt, während die Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) und die Demokratische Partei der Völker (HDP) unter der Hürde blieben. Die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass die PKK-freundliche HDP nur 7.3 Prozent erhielt, während die MHP 8.9 Prozent erhielt.
Der Präsident des Unternehmens, Murat Gezici, erklärte, dass „im November zwei Volksabstimmungen stattfinden werden, eine für die neue Verfassung und eine für das Präsidialsystem, da es eine Bevölkerung gibt, die das Präsidialsystem stark unterstützt.“ Auf die Frage, ob man das Präsidialsystem unterstützen soll oder nicht, stimmten 55.2 Prozent der Umfrageteilnehmer dafür, während nur 35.5 Prozent dagegen stimmten. Darüber hinaus hatte das in Ankara ansässige Objective Research Center (ORC) Anfang März eine Umfrage durchgeführt, die einen deutlichen Anstieg der Unterstützung für das Präsidialsystem von 57 Prozent ergab.



