Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk erhielt am Freitag im Rahmen einer Zeremonie an der Universität Kopenhagen den Sonning-Preis, Dänemarks höchste kulturelle Auszeichnung für seinen Beitrag zur europäischen Kultur.
„Der Gedanke, dass meine Romane und Essays auf irgendeine kleine Art und Weise inspirieren und Teil dieser großartigen Kultur sein können, ist ein Glück, das nur durch die Ehre übertroffen wird, diesen großartigen Preis zu erhalten“, sagte er in seiner Dankesrede.
Die Auszeichnung ist mit einem Scheck über eine Million Kronen (134,000 Euro bzw. 173,000 US-Dollar) verbunden und folgt auf Pamuks Nobelpreis für Literatur im Jahr 2006.
Der 60-jährige Pamuk sprach in seiner Rede über europäische Kultur, Geschichte und Identität sowie Modernisierung, die Türkei und die Europäische Union. Er sprach auch über ein Europa, das Angst vor muslimischer Einwanderung hat.
„Dass das politische Europa von der Angst vor der Einwanderung erfasst wird, konservativ wird und sich von der Welt abschottet, gerade als Europas kulturelles Kapital immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist eine weitere jener ironischen Wendungen des Schicksals, die nur die Geschichte bieten kann“, sagte er.
Der Autor von Romanen wie „Schnee“ und „Das schwarze Buch“ wurde im Mai mit dem Preis ausgezeichnet.
Pamuk übt lautstarke Kritik an Themen, die in der Türkei seit langem als nationale Tabus gelten, etwa an den Massenmorden an den Armeniern im Osmanischen Reich und dem anhaltenden Kurdenkonflikt im Südosten der Türkei.
Er stand im Mittelpunkt einer von Reporter ohne Grenzen unterstützten Kampagne für mehr Freiheit in der Türkei, nachdem er Opfer von Gesetzen wurde, die Schriftsteller in ihren Rechten einschränken, das Land zu kritisieren.
Angesprochen auf die Verleihung des diesjährigen Literaturnobelpreises an den chinesischen Autor Mo Yan sagte Pamuk, er freue sich sehr, dass dieser an einen chinesischen Schriftsteller gegangen sei.
„Es ist ein Dilemma der Menschheit, insbesondere in Ländern, in denen die Meinungsfreiheit nicht stark ausgeprägt ist, die gesamte literarische Kultur zu bestrafen, indem man keinen Preis vergibt. Ich kann also sagen, dass ich Mo Yan kenne und mich über seinen Preis freue, obwohl ich mir auch der Probleme der Meinungsfreiheit bewusst bin“, sagte Pamuk.
Der Sonning-Preis ist Dänemarks höchste kulturelle Auszeichnung und wird alle zwei Jahre verliehen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der britische Philosoph Bertrand Russell, der deutsche Dichter, Essayist und Romanautor Hans Magnus Enzensberger und der italienische Architekt Renzo Piano.



